Solo-Alben von Bassisten sind rar gesät. Neben dem legendären Pendulum von Eberhard Weber ist kaum etwas von Belang zu finden. Dem scheint der in Schweden geborene Björn Meyer abhelfen zu wollen. Convergence heißt sein zweites Solo-Album, das heute erscheint. Wie es ist?
Was nach einigen Malen hören auffällt, ist die konstante Ruhe, die von den neun Kompositionen ausgeht. Sicher finden sich dynamischere Passagen, wie es auch stille und lyrische Momente zu entdecken gibt – getragen wird alles von einer entspannten Grundhaltung, die liedhaft und melodiös mit dem Bass Geschichten erzählt, statt mit einem Technik-Feuerwerk zu posen.
Insgesamt 37 Minuten und 51 Sekunden dauert der Erzählspaß. Titelsong und Album-Öffner Convergence führt gleich passend ein in die kommenden Erlebnisse: Bassläufe, auf Loops geschichtet, mal gezupften, mal gestrichenen, schaffen ganze Gebäude aus Klang, der vergessen lässt, dass hier allein ein Bass die Quelle ist. Ganz anders Hiver, das beinahe schon klassisch anmutet in seiner Melodiösität, Zurückhaltung und Sparsamkeit Im Kontrast hierzu steht unter anderem Drift, dessen hart geschlagenen Akkorde an Jonas Hellborg erinnern, oder auch Magnetique, dessen flinken Bassläufe in ihrer tonalen Verschiebung die Stimmung oszillieren lassen, bevor sich das Album mit Nesodden melodisch verabschiedet.
Dargeboten in 96 kHz schafft die Aufnahme einen weiten Raum, in dem sich die Basslines und ihre Loops großartig ausbreiten und Atmosphäre entfalten. Ob gezupft, gestrichen oder mit Effekten verfremdet, sind die Schallereignisse klar zu erkennen und prima zu orten, was insofern einer Quadratur des Kreises ähnelt, als die Schallquelle derweil immer auf dem selben Stuhl an selben Platz sitzt und es der clevere Einsatz der Technik ist, der die Illusion schafft.
Mit Convergence stellt Björn Meyer ein Album vor, das den Solo-Bass zum Erzählmeister macht. Klanglich und musikalisch überzeugend ist es fraglos ein Gewinn für das Genre. Und die Aufnahme selbst? Phantastisch! (Thomas Semmler, HighResMac)
Björn Meyer, 6-saitiger E-Bass
Foto: Fredrik Gille @garage.studios.sthlm
